Sidor som bilder
PDF
[merged small][merged small][ocr errors][merged small][merged small][ocr errors]

Keines meiner Werke hat mehr als dieses je eines Vorwortes und Nachwortes "bedurft, um dasselbe nicht sowohl wider künftige kritiken in Schutz zu nehmen, als wider solche, welche über dasselbe noch vor seiner Erscheinung ergangen sind. Wenn das Nachwort, als Antikritik, nothwendig ein polemisches seyn wird, so sey hingegen das Vorwort ein historisches, auf die einfache Erzählung der Veranlassung und der weiteren Schicksale dieses Werkes beschränkt, worauf sich dann das Urtheil der Leser von selbst ergeben wird. . .

Die politisch-historische - philologische Classe der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg machte in ihrer öffentlichen Sitzung vom 29. Dec. 1832 (10. Jänner 1833) die Preisfrage einer Geschichte der goldenen Horde bekannt. Das vier enggedruckte Quartseiten füllende, und in das kleinste Detail der zu benützenden Quellen eingehende Programm, wurde nicht nur russisch bekannt gemacht, sondern auch deutsch und französisch an Orientalisten versandt, und durch den Abdruck in französischen und deutschen Zeitschriften durch ganz Europa verbreitet. Ende April's 1833 erhielt ich die erste Kunde hievón durch einen Reisenden, und ich schrieb sogleich an Herrn Staatsrath v. Fraehn, mit dem ich seit dem Jahre 1816 in freundschaftlichem literarischen Briefwechsel stand, um ihm zu sagen, wie es mich wundere, dass ich das Programm noch nicht durch ihn erhalten, ihn zugleich bittend, mir alle zur Beant

wortung der Preisfrage, der ich mich unterziehen wolle. Böthigen Werke anzakanfen und zu senden. Auf diesen meinen Brief vom 29. April antwortete Hr. r. F. am 20. Jelias (1. Aagust) 1933, dass er mir bereits in der Mitte Jänner's mit seiner Abhandlung über die WolgaBalgaren das Programm gesendet (welches mir verspatet auch richtig zugekommen), und gab mir seine ungemeine Freude über meinen Entschluss zur Beantwortung der Preisfrage zu erkennen '). Da der Brief aber keine Antwort über den Ankauf der bestellten Werke enthielt, so wandte ich mich mit vollem (durch den Erfolg völlig gerechtfertigten) Vertrauen an flerrn Staatsrath t. Adelung, mit der Bitte, die Werke, deren Ankauf ich mir yon Hrn. v. Fraehn fruchtlos erbethen, zu übernehmen. Hr. v. Eraehn beantwortete meinen Brief vom 27. Séptember am 10. December 1833), und nachdem er mir vier Monathe. früher seine ungemeine Freude über meinen Entschluss der Beantwortung zu erkennen gegeben, und in der Hoffnung, dass sein Wunsch in Erfüllung gehe, mir selbst ein Paar fehlende - Bücher sendete, 0 . .jini , iscrit'..':, ;

. ') „Es sollte mich ungemein freuen, wenn Sie die Beantwor„lung der orientalischen Preisfrage' (von 'deren Programin ich hier „Ihrem Wunsche zu Folge noch ein Paar Exemplare beyfüge) über»nehmen, und in der Hoffnung, dass mein Wunsch in Erfüllung „gehe, sende ich hier von den, mir als Bey Ilinen noch fehlend aangegebenen Büchern: Rodoslouhuja Kniya', zwey Theile, Nm mow ob otnoscheniach p. und Istoria o kasanskom Zarstuce, wel „ches letztere Werk ich mir von der Akadeinie, von der es herausngegeben worden, für Sie erhelhen habe. Noch mass ich erin

nern, dass so wenig die deutsche, als die französische Übecse, „tzung von Karamsin's Geschichte für diejenigen Excerpte aus noch > ungedruckten russischen Cbroniken, welche in dem Programin »von mir angedeutet worden sind, gebraucht werden können.« .

Den Ankauf der verzeichneten Bücher liat Hr. 1. Adelung „zugleich mit denjenigen, die Sie ihm selbst aufgegeben halten, „zu besorgen die Gerliligkeit gehabt, da mir kein zu derley Ge„&cbfiften tauglicher dienstbarer Geist zu Gebothe steht. Ich be»daure, dass ich nicht auch im Stande gewesen bin, ihm zu glei„cher Zeit auch die zehn Schriften zur Herbeyschaffung aufzuge»ben, welche ich Dinen aus der Zahl derer, welche das Programm

nicht bestimmt nachgewiesen, in einem früheren Briefe nahmhaft »emacht hatte, und die Sie ebenfalls angekauft wünschen. Sie „haiten mir die Titel derselben wiederhohlen müssen, denn ich nselbst erinnere mich ihrer in diesem Augenblicke nicht inebr.

wanderte er sich jetzt auf einmahl, dass es mir wirklich mit dieser Arbeit Ernst sey, und stellte mir die Schwierigkeiten vor Augen, welche die Lösung dieser Aufgabe, für einen Orientalisten, der nicht gründlich Russisch und Slavisch verstünde, darböthe ').

Sonderbar, höchst sonderbar fürwahr! und kaum glaublich, als ob bey einem Einzigen der ausser Russland lebenden europäischen Orientalisten eine gründlichere Kennt iss des Russischen und Slavischen vorauszusetzen gewesen wäre, als bey mir! Und wenn dení Verfasser des Programms, nähmlich Hrn. v. Fraehn, dieses gar wohl bekannt, wenn er sehr wohl wusste, dass selbst der erste Orientalist Europa's, Freyherr Silrestre de Sacy, eben so wenig als ich, oder vielmehr noch minder mit dem Slavischen und Russischen bekannt, wie konnten denn die ausser Russland lebenden deutschen und französischen Orientalisten zur Beantwortung der Preisfrage durch die Versendung des Programms in deutscher und französischer Sprache aufgefordert werden? Auch konnte nicht vorausgesetzt werden, dass irgend ein ausser Russland lebender Orientalist mehr als ich im Besitze der zur Beantwortung der Frage vorgeschriebenen russischen Quellen 'sey, und

„Es scheint Ihnen, werthester Hr. Hofrath, also, wie ich sehe, wirklicher Ernst zu seyn, sich an die bewusste orientali<sche Aufgabe zu machen. Werden Sie aber, mit dem Russischen »und Slavischen nicht gehörig vertraut, nicht einige Schwierigkei»ten bey Benützung der in diesen Sprachen geschriebenen Werke zu bestehen haben? Sie wissen es, wie die Lösung dieser Auf

gabe eine gründliche Kenntniss nicht bloss der orientalischen »Sprachen, sondern auch der slavischen und russischen bedingt. »Das Programm hat sich darüber sehr deutlich ausgesprochen, und es nahmentlich gerügt, dass z. B. Deguigues sich , hinsichtlich der russischen Quellen für die Geschichte des Ulusses Dschudschi's »nur an Übersetzungen zu halten im Stande war! Nichts destowe»niger kann ich nicht unterlassen, Ihnen noch einmahl zuzurufen: >>agedum! quod aggressurus es, felis faustumque sit ! — Meine >>Bewanderung Ihrer ausgebreiteten Gelehrsamkeit, und die geist»reiche Behandlung, welche von Ihnen den verschiedenarrigsten „Gegenständen zu Theil wird, nimmt von Tay zu Tag zu, und „mein Staunen über die beyspiellose Thätigkeit, die Sie mit jedem »Jahre im orhöhten Maasse entwickeln, findet bald keine Gränzen mehr.

dieselben konnten also, in so weit sie gedruckt sind, erst mit Aufwand von Kosten und Zeit angeschafft werden. . Nicht minder sonderbar und unglaublich ist die (unter dem Umstande, dass ausser Russland befindliche Orientalisten den Preis zu verdienen aufgefordert wurden) in dem Programme zwar noch verdeckte, aber hernach in der Kritik der drey Richter ausgesprochene Anforderung, dass der Bearbeiter der aufgegebenen Geschichte auch den Inhalt handschriftlicher, in, russischen Archiven oder Klöstern aufbewahrter Handschriften hätte benützen sollen. Wie konnte solche Kunde von nicht in Russland befindlichen Orientalisten gefordert, und, wenn die Kenntniss dieser Quellen eine Bedingung der Arbeit seyn sollte, wie konnten andere als russische Orientalisten sich derselben zu unterziehen eingeladen werden? Es ist zu klar, dass nur sehr übel verstandener russischer Patriotismus die Preisaufgeber bewegen konnte, auch Ausländer zu einer Arbeit aufzufordern, von der jene glaubten, dass nur eingeborne Russen dieselbe durch die ihnen zu Gebothe stehenden Mittel von Sprachkenntniss und zugänglichen Quellen zu leisten fähig. Diese Erwartung ist auf eine sehr auffallende Weise getäuschet worden; nicht nur kein anderer nichtrussischer Orientalist, als ich, hat sich diese mühevolle Arbeit auf die Schultern geladen, sondern auch nicht Einer der russischen Orientalisten, welchen Sprachkenntniss und Quellenreichthum so vielen Vorsprung gaben, hat sich daran gewagt; meine eingesandte Arbeit blieb die einzige.

Da das deutsche und französische Programm erst in der Hälfte des Jahres 1833 in Deutschland bekannt ward, und der Termin der Einsendung auf den 1. August 1835 bestimmt war, so blieben zu der durch das Programm geforderten Riesenarbeit kaum volle zwey Jahre übrig. Diese zwey Jahre habe ich unablässig und ausschliesslich auf die mühevolle Arbeit verwendet, welche, schon nach den Anforderungen des hier zum Schlusse

« FöregåendeFortsätt »